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Vera Kosova ist seit kurzem Bundesvorsitzende der JAfD


Vera Kosova, Internistin und Kardiologin, zweifache Mutter und jüdischen Bekenntnisses, ist seit kurzem Bundesvorsitzende der JAfD.

Welche Ziele verfolgt die neue Vereinigung?

Kosova: Wir sind ein politischer Verein, parteinah, aber unabhängig. Die Fokussierung auf eine Gruppe wie die Juden hilft, die Partei weiter zu professionalisieren. Wir erarbeiten judenspezifische Themen, gewinnen dabei Expertise und werden zu Ansprechpartnern bei entsprechenden Fragen. Die JAfD ist jedenfalls nichts Außergewöhnliches.

Das sieht der Zentralrat der Juden in Deutschland anders. Er nennt die AfD rassistisch und antisemitisch. Kann man sich als Jüdin in einer solchen Partei engagieren?

Kosova: Die Kritik des Zentralrats haben wir wahrgenommen und bedauern diese Einschätzung; jeder hat ein Recht auf Meinungsfreiheit. Ein gewisser Widerstand war zu erwarten. Jude zu sein, verpflichtet aber zunächst nicht zu einer bestimmten politischen Ausrichtung. Juden können genauso linksliberal wie konservativ sein.

Auch antisemitisch? Immerhin lässt Ihre Partei einen Antisemiten wie Wolfgang Gedeon im Landtag gewähren.

Kosova: Wir haben mehr als 30.000 Mitglieder und rund zehn Millionen Wähler. Sicher gibt es einzelne Personen wie Gedeon, die kritisch zu betrachten sind und von denen ich mich distanziere. Aber mit ihnen findet auch eine Auseinandersetzung statt. Ein Parteiausschluss ist jedoch generell nicht so einfach, wie auch die SPD in den Fällen Edathy oder Sarrazin festgestellt hat.

Die meisten Politikwissenschaftler bewerten die AfD als die Partei mit den meisten antisemitischen und rassistischen Anhängern.

Kosova: Wir sind nun mal eine konservative Partei, die im politisch rechten Spektrum beheimatet ist. Wenn Sie linke Parteien studieren, ist dort naturgemäß der linke Rand nicht weit. Die AfD jedenfalls distanziert sich klar von rechtsextremen Positionen. Unsere Unvereinbarkeitsliste regelt klar, wer nicht zu uns gehören darf. Es gibt sehr wohl eine wirksame Abgrenzung.

Ist die JAfD ein taktisch motiviertes Feigenblatt?

Kosova: In keiner Weise. Es gab auch keine Weisung von oben; die Gründung kam vielmehr von der Basis – vielleicht auch deshalb, weil sich auch die Christen innerhalb der Partei zu einer Vereinigung formiert haben.

Wie stehen Sie zur Einschätzung von Alexander Gauland, Hitler und die Nazis seien „nur ein Vogelschiss in über tausend Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“?

Kosova: Auf diese rhetorische Entgleisung werde ich immer wieder angesprochen. Ich teile Gaulands Einschätzung in keiner Weise. Er selbst hat auch aus Parteikreisen sehr viel berechtigte Kritik dafür bekommen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass er sich dafür entschuldigt hat. Meiner Meinung nach ist es nicht die Aufgabe eines Politikers, Geschichts-Aufarbeitung zu betreiben. Das sollen die Historiker machen. Die Menschen erwarten von uns realpolitische Lösungen auf konkrete Probleme.

Inwieweit praktizieren Sie Ihre Religion?

Kosova: Ich versuche, die religiösen Traditionen des Judentums mit Augenmaß zu leben. Das gelingt nicht immer – zum Beispiel, wenn ich am Schabatt arbeiten muss. Zu den Feiertagen besuche ich die Synagoge; derzeit versuche ich, meine Kinder in einem jüdischen Kindergarten unterzubringen.

Es ist Beschlusslage der AfD, dass man gegen das Schächten von Tieren ist...

Kosova: ... das sehen wir natürlich erst einmal kritisch. Ich bin der Meinung, dass die Gesellschaft bei solchen Themen grundsätzlich einen Diskurs führen und am Ende entscheiden muss. In der Schweiz ist das Schächten seit dem 19. Jahrhundert verboten. Das hat nicht zum Verschwinden jüdischen Lebens geführt. Im Gegenteil.

Treten Sie für einen Dialog zwischen Judentum und Islam ein?

Kosova: Ja. Ich betrachte die Aufarbeitung dieses Verhältnisses als mögliches großes Thema für die JAfD. Konkrete Pläne gibt es allerdings noch nicht – wir haben uns ja gerade erst gegründet. Generell macht mir der islamische Antisemitismus Sorge. Viele der Migranten aus arabischen Ländern, die in Deutschland leben, sind judenfeindlich sozialisiert worden.

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